Keine Vorauskasse
Die viertägige Messe liegt hinter uns. Nach einem bereits durchgemachten Wochenende wegen eines Stadtfestes, dem man sich aus unternehmerischen und lokalpatriotischen Gründen selbstverständlich nicht entziehen konnte, ein weiteres Wochenende verlorener Erholung. Dachten wir.Der Input war enorm. Mehr als man auf einer Geburtstagsfeier eines lang nicht mehr gesehenen Freundes erhalten kann. Und auch mehr Spaß und offene Augen.
Der Spaß kam mehr oder weniger von allein. Wenn der Druck nicht permanent um einen ist, mit diesem Wochenende etwas in Richtung Broterwerbs und Altersvorsorge tun zu müssen, sieht die Welt schon etwas rosiger aus. Die meisten Aussteller müssen aber so denken und das macht sie so einem ganz normalen Arbeiter gleich, so verständlich. Kosten-Nutzen-Rechnungen im Hirn oder auf Veranstalterflyern. Die Gewissheit, dass der letzte Tag alles bringen muss. Die Gewissheit, dass er es nicht getan hat.
Und trotzdem jammern die Wenigsten. Es ist die Erkenntnis Menschen kennengelernt zu haben, deren Vita noch mehr Brüche aufweist als der eigene holprige Lebensweg. Es gehört sicherlich eine Menge Lebenswille dazu, den Kopf zu heben, ein Lachen zu zeigen und das Schicksal seine Schneise schlagen zu lassen.
Da waren Menschen, deren Leben erst mit 60+ einen künstlerischen Weg nahm. Die mit 40+ in ihrem Leben australische Orangen gepflückt haben und jetzt mit Kettensägen Skulpturen in rohes Holz schneiden. Die mit 20+ Musik machen und Stahlskulpturen erschaffen. Die mit einem Geogr.-Diplom Südamerika beradeln und japanische Tonbrennereien erschaffen. Die aus einem Stück dreckiger Erde einen Garten entstehen lassen. Die Häuser unser Altvorderen auseinandernehmen und an einem anderen Ort wieder in voller Pracht erstehen lassen.
Ein jeder hatte Verständnis für die Wirren der Zeiten. Die allerwenigsten ließen sich davon verwirren.
Und die wichtigste Erkenntnis kam von meiner Liebsten. Geäußert in einer lockeren Aufbruchrunde. Nämlich, dass es kein Schutzengelkonto gibt, welches eine feste Anzahl von guten Taten aufweist. So prepaidmäßig halt. Nein, der eigene Engel lernt unaufhörlich dazu. So wie wir selbst. Damit er beim nächsten Großeinsatz mehr tun kann als beim letzten. Nach einer kleinen Stille wurde andächtig der Kopf bewegt. Jemand sagte, dass er dies noch nie so gesehen hat, diese Sichtweise ihm viel besser gefiele. Zustimmendes Nicken folgte.
Verlorene Erholung? Vielleicht körperlich. Auf alle Fälle nicht geistig. Wir freuen uns schon aufs nächste Mal..
03.05.2007. 22:31
saintphalle on 05.05.2007. 09:45
Hach, das macht mir irgendwie richtig Mut, meinen in den letzten Jahren so geraden Lebensweg zu verlassen und endlich auch mal die schlängeligen Seitenpfade zu betreten, um endlich - einfach glücklich zu sein. Noch hält mich die Existenzangst fest, aber in mir drin rumort es gewaltig und ich habe so eine leise Ahnung, dass der große Schritt nicht mehr fern ist und ich mich gegen meinen bescheidenen Wohlstand und meine Sicherheit entscheide und für die Kreativität.
Schön jedenfalls, dass ihr so viel Inspiration erfahren habt und Kraft tanken konntet. Das ist viel mehr wert, als ein bisschen ausschlafen können.
Der Schlaf wurde nachgeholt. Der Geist ordnet noch. Jeder Teilnehmer hat sein eigenes Leben. Soviel zu erzählen. Das, was nicht im Gespräch zwischen Tür und Angel zum Vorschein kommt. Das, was nicht gefragt wird, werden kann.
Einer hat mich bspw. nur kurz von der Seite angesprochen. "Glaubst Du eigentlich an Gott?" Daraus entspann sich ein langes Gespräch über viele Stationen des fremden und eigenen Lebens. Mit der Erkenntnis sich nicht wichtig nehmen zu müssen. Jedenfalls nicht mehr als nötig..
Mein Blick fällt derweil auf ein kleines Raku-Schmuckstück am Handgelenk. Und lässt mich überlegen, ob es nicht ein tolles Hobby wäre, sich mit (Leder-)Schmuck-Gestaltung zu beschäftigen. Und schon droht der ewig gleiche Satz: "Du hast doch eh so wenig Zeit." Und schon ist man versucht, die Flügel zu strecken. Und schon ist man im ewig gleich drehenden Laufrad gefangen..
Hoffe nur, Dir wird es nicht ähnlich gehen.
Blütenstaub on 08.05.2007. 10:01
Ich glaube nicht, das die Prinzessin im Laufrad steckenbleibt. Sie ist mutig und voller innerer Kraft.
Und Dir, Liebster, Danke für diese treffliche Zusammenfassung.
Neue Kommentare:
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Gott sollte die, die uns nicht lieben, einfach umdrehen. Denen, bei denen er es nicht schafft, sollte er einen Hinkefuss geben. Darauf, dass man sie wiedererkennt.
Zitat aus "Glauben ist alles"
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